Ich kaufe mein Kind! Jä.2017

Schicki` s  Nachwuchs – Corner  Ich kaufe mein Kind!

„Macht- und Motivationsfaktor Eltern“, mit diesem Thema setzt sich der Jugendausschuss des NÖFV bereits auseinander. Diese Problematik offenbart sich den Vereinen und ihren Funktionären beim Thema „Freikaufen“ schon lange und wird immer mehr zu einem Reizthema. Eine Situation der sich die Klubs stellen müssen – einerseits um Kinder für ihre Mannschaften zu bekommen oder nicht zu verlieren, andererseits aber den finanziellen Aspekt hinsichtlich Ausbildungsentschädigung nicht aus den Augen zu verlieren. Schief geht diese Situation nämlich dann, wenn Vereine wahllos Freigabezusicherungen abschließen und verteilen und sich nicht absichern. Man ist froh den Spieler gratis von einem anderen Verein loseisen zu können, weil der Papa ihn freigekauft hat. Die Mannschaft wird stärker! Unter absichern meine ich, dass in einer solchen Freigabevereinbarung unbedingt auch festzuhalten ist, dass die Ausbildung welche ein Jugendlicher weiterhin im Klub genießt – obwohl er „frei“ ist – auch etwas kostet.  Die UEFA hat vor Jahren schon einmal einen Betrag von ca. € 165,- pro Jahr/Saison errechnet – als Aufwand welchen ein Nachwuchsspieler dem Verein verursacht.  Benutzung der Anlage (Platzwart, Reinigung, Kabinen, Heizung), Infrastruktur (Duschen, WC, Kantine, Klubraum), Aufsicht, Schiedsrichtergebühren, Transportkosten, Getränke, Versicherung, Anmeldegebühren, Nenngelder, Hallengebühren, Ausrüstungsgegenstände (Bälle, Trainingsanzug, Jacken, etc.) usw. Noch gar nicht berücksichtigt sind da Kosten für Trainer, die evtl. je nach Ausbildungsstand vom Verein mit einem Honorar oder einer monatlichen Aufwandsentschädigung bedacht werden. Im Vergleich zu Tennis, Reiten oder auch Schifahren brauchen wir keine Scheu zeigen. Dh wenn ein Spieler schon im Besitz einer Freigabezusicherung ist, dann muss bis zu dem Zeitpunkt wo sie dann eingelöst wird, eine Kostendeckung für den Verein erfolgt sein.  Derzeit geistern viele solche schriftlichen Abmachungen, die intern zwischen Eltern und Verein getroffen werden, herum. Meistens schon mit 12 Jahren herausgekauft, kommen die Spieler dann mit 16 oder 17 Jahren in den Genuss kostenlos frei zu sein und wechseln den Verein. Doch wer bezahlt die fünf Jahre Ausbildung, die der Bursche oder das Mädchen genossen hat? Der Verein natürlich. Dann wenn es für den Erwachsenenbereich interessant wird, gehen die Spieler andere Wege. Der Klub schaut zweimal durch die Finger.
Wir sind wirklich froh, dass die Nachwuchs Transferzeit mit 30. September geendet hat und zumindest für kurze Zeit Ruhe einkehrt. Da werden in letzter Minute bestehende Leihverträge aufgelöst, das Kind zugleich zu einem dritten Verein transferiert, alles sofort und gleich, weil das Kind ja spielen „muss“. Ein besorgter Vater hat den Anmeldeschein sogar mit Botentaxi aus Wien nach  St. Pölten bringen lassen, Kosten von € 83,- habe ich selbst gesehen, weil ich den Empfang der Sendung bestätigen musste. Nichts ist zu teuer.  Ich bin nicht so glücklich mit drei Monaten Transfermöglichkeit (Anm. im Winter sind es sogar vier Monate bis Ende April!!!). Freilich hilft man Kindern den richtigen Verein zu finden und das erst nach Meisterschaftsstart zum Schulbeginn. Gleichzeitig tut man aber auch einem anderen Verein weh, wenn man ihm nach fünf Runden ein oder gar mehr Kinder wegnimmt bzw. wegnehmen muss.
Gott sei Dank bietet das ÖFB Regulativ ein wenig Einhalt; ein Spieler bzw. eine Spielerin darf in einer Saison nämlich nur bei max. drei Vereinen gemeldet sein, nur für maximal zwei Klubs Bewerbs- (= Meisterschaftsspiele od. Turniere) bestreiten.
Der Vater kommt mit der Freigabezusicherung „jederzeit kostenlos frei“ daher und schon ist es geschehen. Mannschaftsauflösungen stehen an der Tagesordnung.  Allein im September wurden zehn Mannschaften (von der U8 bis zur U15) aus dem Bewerb genommen, auch eine Mädchenmannschaft U14 war dabei.  Im Vorjahr 2015/16 wuchs diese Zahl dann auf 41 an (natürlich nicht alle wegen Freigabezusicherungen). Geldstrafe an die Jugendgruppe, in Folge vielleicht sogar der Verstoß gegen die Teilnahmeverpflichtung für Nachwuchsmannschaften (§1 der Nachwuchsrichtlinien). Abgang der restlichen Spieler zu anderen Vereinen, weil sie keine Spielmöglichkeit mehr besitzen. Dramatische Auswirkungen für einen Verein.

Erst dann läutet beim Verband das Telefon.  Zu spät.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s